Meinesgleichen

Die Krise von vor 25 Jahren

Falter & Meinung | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

Die Rede von, Krisen‘, das ist etwas für jene Uneingeweihten, die daher aufgeregt sind und die Welt untergehen sehen – oder die unserer Wirtschaft und ihrem demokratischen System nicht wohlwollen. Nur wer aus einer unterlegenen Position an die Macht will, braucht von, Krisen‘ zu reden (und wenn er dran glaubt, auf sie zu warten). Allenfalls einen Vorteil hat die Vorstellung der, Krise‘. Sie kann verwendet werden, um ungewohnte Anstrengungen und sonstige Verzichtsleistungen anzumahnen. Wenn wir uns in der, Krise‘ befinden, dann müssen wir – kurzzeitig und zur Überwindung der Bedrohung – alle Kräfte zusammenreißen, egoistische Einzelinteressen zurückstellen, alle gemeinsam in den Dienst des Großen und Ganzen treten.

In diesem Sinn kann es gelegentlich sogar nützlich sein, ein wenig, Krisen-Propaganda‘ zu betreiben oder zumindest zuzulassen. Freilich muss das alles unter Kontrolle bleiben und darf nicht so weit gehen, dass es zu Panik-Reaktionen kommt. Am ersprießlichsten ist die geglückte Kombination von, Krisen-Propaganda‘ und einer kompetenten Darstellung von, Krisenmanagement‘. Insofern verteilen sich auch die, Chancen der Krise‘ gleichmäßiger, als man vielleicht anzunehmen geneigt ist. Sie bestehen auch darin, dass es leichter sein kann,, Folgebereitschaft‘ auszulösen, also Herrschaft zu verstärken oder umzubauen, wenn, die Lage ernst ist.‘ Immerhin soll es auch vorkommen, dass Initiativen, von unten‘ entstehen…“

So entspannt ironisch schrieb man1988 bei uns über die Krise!

Quelle:

Verarbeitungsmechanismen der Krise, Hg. von R. Burger, E. Matzner, A. Pelinka, H. Steinert, E. Wiesbauer.Wien 1988. Vorwort von Burger, Pelinka, Steinert


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