Kommentar

Nordkorea im Mak: Politische Verbrechen als exotischer Kitzel

Kunst

Matthias Dusini | Falter & Meinung | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

Vor einem Jahr war im Dommuseum Wien die Ausstellung „Ikonen unter Hammer und Sichel“ zu sehen, wo einige im Zuge der Oktoberrevolution beschädigte Heiligenbilder präsentiert wurden: zum Beispiel ein als Hackbrett verwendeter Christus.

Mit diesem Bildersturm war der Bilderglaube keineswegs abgeschafft. Das heilige Licht der Ikonen sickerte auch aus den Bildkonstruktionen revolutionärer Künstler. Der stalinistische Personenkult löste schließlich die Götzen der orthodoxen Kirche ab.

Auch die im Museum für angewandte Kunst (siehe S. 32) gezeigte nordkoreanische Kunst erinnert daran, dass Bilder mehr sind als bunte Leinwände. Die Porträts von Nordkoreas Führern sind das Positiv der von den Taliban zerstörten Buddhastatuen von Bamiyan: in das Bewusstsein der Menschen gesprengte Symbole des Größenwahns, deren Verehrung perverserweise als Beweis für die eigene Popularität interpretiert wird.

Dass das Bundesmuseum ein Pressefoto zurücknahm, weil Kim Il Sungs Kopf gefaltet werden

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