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Politik | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

Wie oft ist in Wien eigentlich Land unter, Herr Gottschall?

Ottakring, Mariahilf, Neubau, Hietzing und Penzing – all diese Bezirke waren vergangenen Donnerstag massiv von den stärksten Niederschlägen seit 50 Jahren betroffen. Die Feuerwehr fuhr 250 Einsätze. Kanäle wurden überschwemmt und Straßenzüge überflutet. Josef Gottschall, Pressesprecher von Wien Kanal (MA 30), erklärt das „Katastrophenereignis“.

Wie oft ist in Wien Land unter?

Selten. Kanalsysteme sind auf gewisse Regenereignisse dimensioniert: In Europa ist das das fünfjährige und 15-minütige Regenereignis. Das ist jener Regen, der einmal in fünf Jahren auftritt und 15 Minuten dauert. Hierbei kann das Wasser noch abfließen. Regnet es, wie vergangene Woche, deutlich stärker, dann gehen die Rohre unter Druck. Das Wasser fließt nicht mehr, sondern es schießt und es kann zu Rückstauungen kommen. Das Problem ist, dass in letzter Zeit sogenannte Platzregen immer häufiger werden. Monatsmengen fallen dabei oft in wenigen Stunden.

Unter anderem waren ja gerade zentral gelegene Straßenzüge betroffen. Wieso?

Das sind topografisch gesehen tiefgelegene Punkte.

Waren bei dem Wasser auf den Straßen auch Fäkalien dabei oder handelte es sich nur um Regenwasser?

Auf der Lerchenfelderstraße kann man das zu 99 Prozent ausschließen. Letztlich ist es aber schwer, zu unterscheiden, ob es sich nur um Regen, Schlamm oder auch Fäkalien handelt.

Sind bauliche Konsequenzen nötig?

Das war ein Katastrophenereignis, wie es alle 50 Jahre vorkommen kann. Dagegen ist man machtlos. In den letzten drei verregneten Tagen gab es nicht einmal halb so viel Niederschlag wie in den drei Stunden am Donnerstag auf der Lerchenfelderstraße. Kein Kanalsystem der Welt kann mit solchen Massen fertig werden.

Wo ist man in Wien am sichersten?

Am Kahlenberg. Spaß beiseite: So etwas kann passieren und es kann wieder passieren. Und man kann nicht vorhersagen, wo es passiert.

Interview: Martin Gantner


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