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Politik | Michael Weiß | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

In den Wirren der Nachkrisenzeit

Ohne den Euro hätte Österreich ein ähnliches Schicksal wie Island erlitten. So lautet eine der Thesen des Wirtschafts- und Finanzexperten Daniel Gros vom Brüsseler Think-Tank CEPS (Centre for European Policy Studies) und der ORF-Journalistin Sonja Sagmeister. In „Nachkrisenzeit“ analysieren die beiden selbige.

Zunächst aber erzählen sie noch einmal, wie alles begann: Sagmeister berichtet von ihrer Reise nach Island, wo sie beim Niedergang des Staates live dabei war. Am Beispiel eines ausgewanderten Österreichers, der in Island steinreich geworden war und alles wieder verlor, zeigt sie, mit welcher Wucht die Krise das Land erwischt hat. Auch Österreich hätte es ohne die Stabilität des Euro so ergehen können wie dem Land aus Feuer und Eis: Ähnlich wie die isländische Krone hätte auch der österreichische Schilling durch den Boom vor der Krise eine unglaubliche Aufwertung erfahren und wäre dann umso tiefer abgestürzt. Stilistische Prägnanz und anschauliche Reportagenelemente machen die undurchsichtigen Geschehnisse auf den internationalen Finanzmärkten ein wenig durchsichtiger, den Blick in die Zukunft ein wenig optimistischer – und dieses Sachbuch absolut lesenswert.

Daniel Gros, Sonja Sagmeister: Nachkrisenzeit. Ecowin, 236 S., € 21,50


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