Nachgesehen

Der Schauplatz, am Tag nach dem Geschehen noch einmal betrachtet

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

Zu ebener Erd nach der Sintflut. Ein Besuch beim neuen Mittelstand

Was lernt man über Wien und seine Bewohner, wenn Katastrophen völlig ungeahnt hereinbrechen?

Vergangenen Donnerstag, als sich die Wassermassen von Ottakring über die Lerchenfelder Straße in die Stadt ergossen, standen Autos und Keller der Josefstädter und Neubauer Bürger unter Wasser. Da sah man auf einmal, wer der Mittelstand heute ist: Afrikaner und Chinesen, Iraner und Inder, Pakistani und Serben. Sie alle leben, handeln und arbeiten dort, wo wir Geschäftssterben beklagen, am Rande des Gürtels. Sie retteten gemeinsam ihre Habseligkeiten aus überschwemmten Kellern, sie stellten sich (siehe unser Bild) den Feuerwehren in den Weg, damit diese doch auch hier endlich die Keller leerpumpen.

Als das Wasser Koffer und Kleider, Reissäcke und Asia-Nudelpackungen fortschwemmte, da erlebte man hier eine stille Solidarität zwischen Hiesigen und Zuwanderern. Das sollte man im Wien-Wahlkampf einmal plakatieren.


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