Mediaforschung

Frau Bauer, rufen Sie auch ganz panisch Ihre Mutter an?

Nachfragekolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

So hört sich gute Radiowerbung an. Eine junge Frau telefoniert mit ihrer Mutter: „Was als Nächstes Mama? Semmelknödel ins kochende Wasser.“ Im Hintergrund blubbert es, dann wieder die junge Frau: „Simmern, was ist das? Ach so, sieden. Gut.“ Die Blubbergeräusche werden lauter, die Frau hört sich plötzlich aufgeregt an: „Du, der Knödel löst sich gerade auf!“ Sie kreischt: „Mehl???“ Daraufhin die Stimme aus dem Off: „Sandra in Brüssel kocht mit ihrer Mama in Wien, denn bei Orange gibt’s jetzt Europa zum Ortstarif.“

Wenn ein Radiospot funktioniert, haben die Zuhörer ein Bild im Kopf. Zum Beispiel das von einer panischen Mittzwanzigerin, deren Knödel sich immer mehr auflöst. Die Orange-Kampagne stammt von Dirnberger de Felice Grüber (DDFG). Ganz bewusst wird darin eine Alltagssituation beschrieben, die viele Menschen selbst schon erlebt haben. „Wir kommen alle irgendwann in die Situation, dass wir alleine leben, Freunde zu Besuch kommen und man etwas Besonderes kochen möchte. Dann hilft nur eine: die Mama“, sagt Werbetexterin Magda Bauer und gibt zu, selbst keine Meisterköchin zu sein.

Natürlich ist das ein alter Trick. Radiowerbung will die Zuhörer zum Schmunzeln bringen, ein Wir-Gefühl und Sympathie für die Marke auslösen. Bei der Umsetzung im Tonstudio kann dann aber noch einiges schiefgehen, sagt Bauer: „Das Schwierige ist, Leute zu finden, die das auf Knopfdruck vermitteln können, ohne es zu überspitzen.“

Sehr glücklich ist sie über Verena Leitner. Die junge Schauspielerin verlieh der Orange-Werbung ihre Stimme. „Man merkt im Radio gar nicht, dass sie den Text abgelesen hat“, meint Bauer. Stimmt. So authentisch, wie Frau Leitner klingt, denkt man sich: Die hat sicherlich auch schon ein paar Knödel versemmelt.


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