Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

Billig, praktisch, einfach gestrickt: So soll Unterhaltungsfernsehen im Idealfall sein. Die Lieblingsdisziplin der Programmplaner ist also die Archivsendung, bei der man Uraltfilmchen aller Art mit einem neuen Mascherl versieht – weil „Die ultimative Archivshow“ ja kein so geiler Titel wäre. So läuft etwa jetzt im ORF „Die Couch“. Auf der sitzen dann heimische Promis und quatschen mit dem Vorzeigemädchen Mirjam Weichselbraun über Beiträge von vorvorgestern. Selten so etwas Ödes und Uninspiriertes gesehen, bis hin zur auftoupierten Doris-Day-Frisur der Moderatorin. Die deutschen Privatsender machen so was ja schon seit Jahren vor, vom 68er-Aufstand in Paris bis hin zur 80er-Discokultur wurde hier schon alles pseudozeithistorisch-unterhaltsam abgehandelt. Solche Sendungen taugen höchstens als Hintergrundkulisse fürs Bügeln. Ich erinnere mich an nur zwei ORF-Sendungen mit Archivmaterial, die was taugten: „Wiesner fragt“ und „Die Sendung ohne Namen“. Beide wurden eingestellt.


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