Herr Emil und die Detektive

Feuilleton | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

Die Schau über Kunst aus Nordkorea im Museum für angewandte Kunst macht nicht alle happy. Der Überläufer Kim Jong Ryul ist einer von ihnen

Protokoll: Matthias Dusini

Glücklich lächeln die jungen Straßenkehrerinnen auf dem Boulevard, durch den Dunst des anbrechenden Tages schimmern die Lichter der Hochhäuser. Im Gemälde „Frühmorgens“ (2010) von Ri Tong Gon ist ein neuer, hoffnungsvoller Tag angebrochen.

„Scheiße!“, sagt der Ingenieur Kim Jong Ryul. Der zerbrechlich wirkende 75-jährige Nordkoreaner ballt die Fäuste, als er eine Kopie des Gemäldes sieht, das jetzt in der Ausstellung „Blumen für Kim Il Sung“ im Museum für angewandte Kunst (Mak) gezeigt wird. „Wenn Sie gekommen sind, um mir zu erzählen, dass Nordkorea das Paradies auf Erden ist, können Sie gleich wieder gehen.“ Einen Besuch der Ausstellung lehnt er kategorisch ab. „Ich weiß jetzt schon, was dort zu sehen sein wird.“ Scheiße, nichts als Scheiße.

In einem Bahnhofscafé sitzt ein alter Herr


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