Stadtrand

Rurale Mythen: bitte den Kirtag im Dorf lassen!

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

Du trägst dein Dorf immer mit dir rum“, heißt es in der großartigen Vertheaterung von Rocko Schamonis Roman „Dorfpunks“. Ja eh. Und wahrscheinlich haben die meisten von uns, die sich werweißwie urban geben, rurale Wurzeln. Aber muss man deswegen gleich einen Maibaum aufstellen in Hernals? Oder auf dem Rathausplatz einen „Kirtag“ veranstalten? Hilfe! Das Ländliche bricht diesen Freitag über uns Stadtmenschen herein! Und der Dompfarrer macht dabei einen auf Dorfpfarrer und segnet auf dem Stephansplatz den Kirchbaum, der anschließend feierlich zum Rathaus prozessioniert wird, wo der Stadtbürgermeister zum Stadlbürgermeister mutiert und Freibier für alle ausgibt. Wo sind wir denn? Womöglich engagieren wir uns demnächst bei der Freiwilligen Feuerwehr, kennen den Vornamen unseres Briefträgers und die sexuellen Präferenzen der Nachbarn! Wir sagen „Grüß Gott“ statt „Guten Tag“ (auch zu unbekannten Passanten auf der Straße) und sägen heimlich Mai- und Kirchbäume um. Obwohl: Das könnten wir tatsächlich ausprobieren.


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