Prost!

Ein bitteres Bier, das vor allem Weintrinkern munden soll

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Das Saphir-Pils

Stadtleben | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

Pils führte im biertrinkenden Österreich ja immer eher ein Nischendasein. Neben den malzigen, körperreichen Märzen-Bieren, wie man sie in diesem Lande liebt, waren die bitteren, spritzigen Pilse immer eher die Aliens. Sie gewannen in den vergangenen Jahren jedoch besonders unter den Weinliebhabern Freunde, weshalb Pils ein bisschen auch zum Upper-Class-Bier mutierte, beflügelt nicht zuletzt durch Hervorbringungen des „Jahrgangspils“ von Reininghaus, das anfänglich ausschließlich der Spitzengastronomie vorbehalten war.

Michi Moosbrugger, einer der besten Winzer Österreichs, machte eines Tages Karl Schwarz von der Brauerei Zwettl darauf aufmerksam, dass vor allem Weinmenschen die herben, delikaten Biere schätzen würden. Was Schwarz sodann veranlasste, ein Jahr lang zu experimentieren und ein Pils zu kreieren, dessen bittere Seele von einem neuen Hopfen namens „Saphir“ aus Hallerthau stammt, einer Nachzüchtung des unter Bierfreaks kultisch verehrten amerikanischen „Cascade“-Hopfens.

Zu drei verschiedenen Zeitpunkten kommt der Hopfen in das neue Zwettler, was sowohl für ziemlich starkes Aroma als auch für ordentlich Bitterheit sorgt – 38 Bittereinheiten (BE), das ist fast so bitter wie das friesische Jever (40 BE), das gern als Maßstab für bittere Biere verwendet wird. Das in Kleinchargen gebraute Bier trinkt sich absolut fein und stieß – wen wundert das noch? – in Wiens Szene-Gastronomie sofort auf großes Interesse. fH


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