Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

Der Arsch des Intellektuellen

Der letzte Intellektuelle in Graz hat sich getrennt und sucht jetzt doch wieder in Lend oder Gries. Nur billig und wenn geht provisionsfrei. Nur sonntags fährt er gern noch nachhause, Tochter besuchen in den Randbezirken, und da liegt ein Flugzettel, wo draufsteht: mehr Parkplätze für Graz! Und gemeint ist aber: weniger Orte zum Parken, dafür mehr Zonen! Grüne Zonen, blaue Zonen, sind doch wieder nur zwei Backen vom selben Arsch, stößt er zwischen seinen Zähnen hervor, und fast findet er sich in einer Gemeinsamkeit mit den Blauorangen wieder, die alles für die Autofahrer tun würden. Überhaupt passiert ihm das in letzter Zeit immer wieder: Am 20. Mai will er beim Everyone Draw Mohamed Day mitmachen, den Propheten zeichnen und so die Imame provozieren und die Meinungsfreiheit verteidigen, den Bleistift hat er schon gespitzt, die ersten Züge des Profils entworfen, und dann liest er FPÖ-Aussendungen gegen Moscheenbau und hat schon wieder Lust, mit Koran und Bombengürtel unter der Burka über den Hauptbahnhof zu marschieren und betrunken zum Gebet zu rufen. Aber das ist ihm dann auch zu anstrengend, und er erinnert sich an früher, als die Grenzen noch klar waren, und er holt seinen Laptop raus und spielt eine Partie Pacman. Dieses wurde übrigens am 23. Mai 1980 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert und ist also jetzt auch schon 30. Es geht zu Ende.


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