Phettbergs Predigtdienst

Und die Popkultur verdaut alles

Kolumnen | aus FALTER 20/10 vom 19.05.2010

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Der Briefträger, der zum Schriftsteller wurde und dessen Name auf seinem Buch so winzig geschrieben ist, dass ich ihn nicht entziffern konnte, Karl Weidinger, sah sich auch das Stück an: „Der letzte vergebliche Versuch der Popkultur“ von Schorsch Kamerun. Diese Garage X hat ein bezauberndes Ambiente. Du kannst nicht aufhören, den Stiegenabgang zu meditieren ... Immer wieder kreuzen sich unsere Wege. Ich bin natürlich von seinem Jeansboyanblick begeistert, sodass ich immer meinen Blick auf ihn lege, und Karl Weidinger hat dann Angst vor mir, ich würde ihn verführen.

In der Tat bin ich ein Täter insofern: Als ich auf Ö1 hörte, dass das Stück von Schorsch Kamerun in der Garage X aufgeführt wird, bekam ich Sehnsucht, den urfeschen SCHORSCH KAMERUN mit den Augen zu verspeisen. Und bei der Aufführung strömten dann noch dazu alle circa 150 anwesenden Leute auf mich ein (Aug in Aug). So sähe ich gerne alle meine Lesys, Männer und Frauen. Das erste Mal hab ich den Punk Schorsch Kamerun und seinen Kollegen Rocko Schamoni gesehen, als sie mich für „Pudel Overnight“ auf 3sat in der „Schwenderloge“ (Klappe) interviewten. Das kann man sich auf YouTube anschauen und daraus kontemplieren ... Die Garage X hat die ähnlichste Inneneinrichtung wie die Schwenderloge am Schwendermarkt, doch die gibt es nimmer. Und nun ist auf YouTube das innigste Denkmal des reinsten Schmutzes.

Die Inszenierung von Schorsch ist de facto eine Kritik an der Unmenge von Bildern, die unser Hirn jeden Tag aufschnappen muss. Es waren circa 20 Mitwirkendys auf der Bühne und eine Schaufensterpuppe. Hat die schon mich dargestellt? Manche verspotten mich zu Recht, dass ich meine Hinigkeit wie eine Monstranz vor mir hertrage. Plötzlich muss unser Hirn umschalten von lauter Punkmusik zur Darstellung der Erschießung von versteckten Juden. So nahe und prompt muss dein Hirn ständig umschalten. Und die Popkultur verdaut alles. In der Garage X waren lauter so Augenschmäuse. Jedes ist Gott!

Zudem hat mich „mein“ Kremser Thomas angerufen: Es läuft schon mein Flyer! Fliegen Sie mit, Duhsub: „Wir begraben Hermes Phettberg“, Musikgruppe Biomüll, 3raum Anatomietheater, 5. Juni, 20 Uhr.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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