Kritiken

Square Dance und ewige Jugend

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Für ihre Inszenierung „Die Nacht ist jung“ hat Nehle Dick eine im Rahmen der „Werktage“ bereits erprobten Stückidee ausgebaut. Der Ich-Erzähler aus Hanif Kureishis Roman „The Body“ trifft auf vier Paare aus Wiener Square-Dance-Clubs und macht sich Gedanken über das Alter und den körperlichen Verfall. Während die Tänzer auf ihren Auftritt warten, nicken sie ihm freundlich zu, wenn er von Qualen berichtet, die nicht mehr die seinen sind. Ab der Gehirntransplantation in den „Neu-Körper“ entfernt sich das kurzweilige Stück inhaltlich von Kureishis ins Abenteuerliche abdriftenden Geschichte; Hauptmotiv und Schlüsselsätze sind so gesetzt, dass sich eine gänzlich neue, freiere Komposition und Auflösung ergibt. Julian Loidl spielt die Lust an seinem jugendlichen Liebhaberkörper charmant gegen die faltigen Gesichter der zum Großteil älteren Tänzer aus. Er erfreut sie und das Publikum mit einem kunstvoll ins Dilettantische getriebenen Karaoke-Auftritt, hält die Spannung und lässt den Traum einer unverbindlichen Liebesnacht – trotz aller Sehnsucht nach seelischer Nähe, die der fremde Körper nicht mehr erlaubt – als höchstes Glück erscheinen.

Tag, Fr, Sa, Mi, Do 20.00 (bis 12.6.)


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