Kritik

Wie wohl der Rotwein im Roten Meer schmeckt?

Lexikon | Nicole Scheyerer | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Wenn vor einer Ausstellung ein Security-Mann mit einer Namensliste steht, dann handelt es sich in der Regel um eine Vernissage mit geladenen Gästen. Die Künstler dürfen dann meist die eigene Crowd mitlisten. Bei der Eröffnung zur Schau „Wale und Aale“ im Offspace Ve.Sch hat Aldo Gianotti dieses VIP-Prinzip ins Gegenteil verkehrt: Durch den Check des Sicherheitsmannes kamen ironischerweise gerade die Freunde und Bekannten des Künstlers nicht. Wie eine gezeichnete Handlungsanweisung in der Ausstellung selbst verriet, sollten sie die ganze Vernissage über vor der Tür verbringen.

Die größten und die schlangenhaftesten Tiere der Meere: Für den Kurator/Künstler Lazar Lyutakov stellen Wale und Aale Außenseiter dar. Er nimmt sie als Symbolfiguren für sein Ausstellungsthema Insider und Outsider. Ein Beispiel für selbstgewähltes Einzelgängertum liefert ein Video von Fikret Atay. Es zeigt einen Jugendlichen beim Schlagzeugspielen auf Öldosen über den Dächern einer tristen Plattenbausiedlung. Zwischen Korallendoku und Agentenfilm siedelt Leopold Kesslers Video „Red Sea Star“, für das der Künstler zu einem Unterwasserrestaurant im Roten Meer tauchte. Sehr amüsant seine unbemerkten Aufnahmen Rotwein trinkender Gäste, während er im Dunkel schwimmt. Animationen aus der Immobilienwerbung hat der Krassimir Terziev die Arbeit „A walk in the neighbourhood“ gesammelt, die das Leben im Wohlstand supersynthetisch aussehen lässt. Karine Fauchards kryptische Zeichnungen beschäftigen sich mit mathematischen Abweichungen, und Lazar Lyukatovs ergreift in seinen Arbeiten natürlich Partei für einsame Wölfe.

Ve.Sch, bis 7.6.


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