Neu im Kino

„A Nightmare on Elm Street“ ohne Humor

Lexikon | Maya Mckechneay | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Michael Bay hat ein Remake von Wes Cravens „A Nightmare on Elm Street“ produziert; Bay, der Blockbustermacher („Transformers“), der schon die Horrorklassiker „The Amityville Horror“, „Friday the 13th“ und „The Texas Chainsaw Massacre“ als Produzent von irgendwelchen Regie-no-Names wiederverfilmen ließ. Den Namen brachten ja schon die Filme selbst mit.

Und so kommt es mit dem armen Freddy, wie es kommen muss: Unter der Regie des Ex-Videocliplieferanten von Metallica, Samuel Bayer, kriegt er ein neues Narbengesicht verpasst. Gespielt erstmals nicht mehr von Robert Englund (der ihn in Wes Cravens Original von 1984 und in den folgenden sieben Sequels verkörperte), sondern von Jackie Earle Haley zeigt er in einem Flashback sein unverbranntes Gesicht. Und verliert so all seinen metaphysischen Schrecken. Da hilft auch nicht, dass ihn das Script, weil gerade so tagesaktuell, vom Kindermörder zum Kinderschänder macht.

Die schönsten unheimlichen Szenen des Originals werden in „Nightmare“ 2010 verschenkt: Eine „Abyss“-artige, wässrige Digitalanimation ersetzt die von unten beleuchtete Stoffwand, durch die der originale Freddy seine Schlitzefinger in ein Mädchenzimmer reckte. Und die blut- und gedärmespeienden Teenie-Betten, ein Höhepunkt von 1984, fehlen ganz. Wie im Übrigen überhaupt der Humor des Wes Craven schmerzlich abgeht.

Craven führt demnächst übrigens Regie bei einem vierten Teil von „Scream“. Man erinnert sich: Das war der superlustige, kluge und trotzdem gruselige Abgesang auf das Subgenre des Teenage-Slasherfilms. Abgesänge braucht dieses nach Bay/Bayers Machwerk wohl keine mehr. Das Genre des Kellerzerquälfilms („Hostel“, „Saw“) hätte sich eine vernünftige Parodie allerdings längst verdient.

Weiterhin in den Kinos (OF im Artis)


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