Kunst Kritik

Ein Rummelplatz im Kunstverein

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Frisch von einem sechsmonatigen Aufenthalt in Los Angeles zurück, setzt Maruša Sagadin zur Kritik unserer ökonomisierten Lebenswelt erst einmal auf feinsinnige Affirmation und baut für ihre Ausstellung Zitate aus dem Sport- und Funsektor zusammen, dazu passend ein lila-rotes, tribünenartiges Möbel, als wäre eine Welt aus werbewirksamen Oberflächen auszustatten. Zur Arbeit „Everybody Says Hi to Hans Because Hans Says Hi to Everybody“ gehören noch weitere Oberflächlichkeiten wie Schilder, die nicht weniger auf Unterhaltung und Konsum ausgerichtet scheinen, Collagen, die postmoderne Architekturen und Texte Sagadins, wie etwa den Kalauer „I can’t see the wood in Hollywood good“, zusammenbringen, und eine Videoprojektion, in der mit Sagadins Schildern professionell Sign-Spinning (die aktuelle und artistische Form der Menschen-als-Schilder-Werbung) betrieben wird.

„Wo ist unser Niveau, Herr Perrault“, fragt Sagadin in einer zweiten Arbeit anlässlich des neuen Wolkenkratzer-Projekts für die Donauplatte. Letztere wird sinnfällig via Vinyl-Platte samt rappender Künstlerin und noch mehr Kalauern. Sie beschrieben, was auf die Donaucity so zukommen könnte, wenn erst einmal eine Mumok-Dependance im Perrault-Turm aufmacht und die Strabag zur sozial verträglichen Umverteilung manchen Überschusses einen Grafikpreis ausschreibt, dessen Gewinner im Penthouse ausgestellt wird. Videoarbeiten, in denen sich die gleichfalls in Wien lebende Künstlerin Anna Witt mit Jugendkultur, der menschlich-affigen Spezies im Allgemeinen oder mit radikalen Gedanken von Passanten zur Veränderung der aktuellen Situation im Besonderen auseinandersetzt, komplettieren die unbedingt sehenswerte Ausstellung zu einem abenteuerlichen Ganzen.

Grazer Kunstverein, bis 21. 6.


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