Meinesgleichen

Mourinho, Maschinenfußball, Madrid, Moral

Falter & Meinung | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Gern hätte ich hier an meine Ausführungen von letzter Woche angeknüpft und den Systemwechsel bei Bayern München mit dem nötigen und möglichen neuen politischen Stil der EU verglichen. Aber es kam, wie es zu befürchten war. Inter Mailand siegte im Finale der UEFA-ChampionsLeague. Systemfußball bezwang Systemfußball, wobei jener des Inter-Trainers Mourinho ein Moment an Unbarmherzigkeit hatte, das selbst Zaubermomente einzelner Kombinationen entwertete. Während der FC Bayern München, die einst ungeliebte Erfolgsmaschine, sich unter Trainer van Gaal als eine Art „FC Barcelona light“ profilierte, bot Inter Mailand Maschinenfußball. Der stand zwar einiges über dem, was das Team im Halbfinal-Auswärtsspiel gegen den FC Barcelona gezeigt hatte, als man nur den eigenen Sechzehnmeterraum abschirmte und sonst nichts tat. Aber er erinnerte von fern daran. Die Bayern machten es den Italienern leichter, weil sie defensiv weit weniger konsequent waren. Und weil ihnen der zweite geniale Spieler, der Franzose Franck Ribéry, in diesem Finale fehlte.

Das Madrider Publikum fürchte sich vor dem neuen Trainer, der aus Mailand zu ihnen kommt, schrieb der Chefkommentator der spanischen Sportzeitung Marca. Er sei den Madrilenen als Technokrat unheimlich, er sei ein Zeichen dafür, dass Real Madrid sich „entmenschlicht“ habe und dafür einen enormen Preis zahle. In jeder Hinsicht: Mourinho kassiert derzeit 13 Millionen Euro im Jahr. Netto.

Quelle:

Süddeutsche Zeitung vom 20. und 25.5.


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