Glosse

Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe: die Krise und ihre Prediger

Finanzprediger

Falter & Meinung | Armin Thurnher | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Die Finanzkrise ist etwas Wunderbares. Sie offenbart unseren unstillbaren Hunger nach Unverständlichem. Mit anderen Worten: Wir wollen etwas glauben, wir wollen mit Unerklärlichem konfrontiert sein. Dass wir dran glauben müssen, wenn wir nicht glauben, verschärft den Kitzel. Die Kirche hält für diesen Fall Hölle und Apokalypse bereit, die Ökonomie Krise und Geldentwertung. Und erst die Wanderprediger, die in Endzeiten auftreten! Die FAZ hat sich letzte Woche eines Stilmittels bedient, das der Falter einst kultivierte: Sie druckte einfach das TV-Talkshow-Gebrabbel diverser „Experten“ von Deutsche-Bank-Chef Ackermann über Karl-Heinz Grasser bis zur Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht ab. Damit verglichen, bietet jeder thomistische Gottesbeweis leicht verständlichen Klartext.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige