Sie haben eine dünne Haut

Politik | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Lukas Resetarits über das burgenländische Wesen

Protokoll: Julia Ortner

Als Bub war das Burgenland für mich gleichzeitig arm und paradiesisch. Es war wie ein Blick ins vorvorige Jahrhundert. Ich bin mit meinen Großeltern auf einem Wagen gesessen, der von Kühen gezogen wurde. So schaut echte Armut aus, wenn du eine Kuh hast, die nicht nur Milch geben muss, sondern auch noch das Fahrzeug zieht. Diese Armut haben wir aber anders erlebt als urbane Armut, weil in der Stadt kann ich mir ja keinen Apfel vom Baum brocken oder ein Hendl fangen, das am Hof herumrennt.

Ich bin dort die ersten Jahre bei meinen Großeltern aufgewachsen. Die Eltern haben am Bau in Salzburg gearbeitet. Großvater und Großmutter waren wie fast alle bei uns in Stinatz Kleinstnebenerwerbsbauern. Die Leute waren Selbstversorger, aber mussten alle pendeln – in die Steiermark oder nach Wien. Die Jungen sind rausgekommen und haben nie das Muffige, Enge an sich gehabt wie die wirklich G’scherten, die ihre Furche nie verlassen


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