Wie wir unsere Welt an den Abgrund geführt haben

Politik | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Der todkranke Tony Judt hat sein intellektuelles Vermächtnis verfasst. Seine optimistische Weltanklage wird die kommenden Jahre prägen

Rezension: Robert Misik

Es gab Jahrzehnte, da wurden die westlichen Gesellschaften egalitärer, da wuchs „die Intoleranz gegenüber übertriebener Ungleichheit“. Aber in den vergangenen 30 Jahren, schreibt Tony Judt, „haben wir all das weggeworfen“. Die Gewinner sonnen sich in Privilegien und verlachen die Loser. „Wachsende Ungleichheit frisst Gesellschaften von innen her auf.“

„Ill Fares the Land“ – simpel übersetzt: „Dem Land geht es schlecht“ – heißt das neueste Buch des amerikanischen Historikers, aber mit „dem Land“ sind nicht nur die USA gemeint, sondern die westlichen Industriegesellschaften als Ganzes. Es ist ein eigentümliches Buch geworden: drängend im Ton, literarisch in der Sprache, weitab vom akademischen Duktus. Das Buch eines Mannes, der der Welt etwas sagen will und der findet, dass es gesagt gehört. Fast eine


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