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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Strafe für die Krisenverursacher

Die kleinen Gauner hängt man auf, die großen lässt man laufen. Glaubt man dem deutschen Strafrechtler Bernd Schünemann, hat die Finanzkrise diese Annahme bestätigt. Schünemann veröffentlicht einen Sammelband, der Beiträge über die „strafrechtlichen Aspekte“ der Finanzkrise enthält. Das Buch wird von der Forderung getragen, „dass endlich das traditionell gegen die Unterschicht eingesetzte Strafrecht auch gegen die Oberschicht gleichmäßig zur Anwendung gebracht werden müsse“. Wussten die Bankiers von der Minderwertigkeit der Papiere, die sie verschacherten? Haben sie damit nicht gegen ihre gesetzliche „Sorgfaltspflicht“ verstoßen? Ein Mangel an „ernsthaften Prüfungen“ habe ein System gefördert, das sich zu einer „Art global organisierter Kriminalität“ ausgewachsen hat.

Wolfgang Zwander

Bernd Schünemann (Hrsg.): Die so genannte Finanzkrise. BWV, 109 S., € 19,60

Vom Nachbarn zum Terroristen

Es war der größte Polizeieinsatz gegen Terroristen seit den Fahndungsaktionen gegen die RAF, der 2007 drei Deutsche in Haft brachte. Das Trio bastelte an einer Bombe, mit der es im Namen Allahs töten wollte. Anfang März wurden die Mitglieder der „Sauerland-Gruppe“ verurteilt. Es blieb die Frage: Was veranlasst junge Männer dazu, in den Dschihad zu ziehen? Die Journalisten Rolf Clement und Paul Elmar Jöris versuchen in ihrem Buch „Die Terroristen von nebenan“, eine Antwort zu geben. Spannend beschreiben sie Umfeld, Werdegang und Wesenszüge deutscher Dschihadisten. Sie gehen nicht nur auf die Mitglieder der Sauerland-Gruppe ein, sondern erzählen auch die Geschichte des Kofferbombers von Köln oder jene der zwei Brüder Yassin und Monir, die im Internet zum „Heiligen Krieg“ aufrufen.

Marion Bacher

Rolf Clement, Paul Elmar Jöris: Die Terroristen von nebenan. Piper, 294 S., € 17,50


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