Mediaforschung

Herr Mazuran, möchten Sie mit dem Spot Frauen abschrecken?

Nachfragekolumne

Medien | Anna Sawerthal | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Der Student, Mitte zwanzig, unrasiert, hat eine Wette verloren, sagt er der Webcam. Erst als er einige Schritte zurücktritt, wird der Wetteinsatz klar: Er trägt knallgrüne Leggings, darüber orangene Strümpfe und ein rosarotes Tutu. Der Typ im Ballerina-Kostüm holt tief Luft, reißt hüpfend die Arme in die Höhe und ruft: „Discooo, Discooo, Discooo!“

Dann knallt das Black Jack Cola auf den Schirm, daneben der Slogan: „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.“ Der Spot fordert Zuseher auf, selbst Videos zu diesem Werbespruch aufzunehmen und ins Internet zu stellen. Der Gewinner bekommt 3000 Euro und wird im TV gespielt.

Black Jack will das Cola für „echte Männer“ sein. Markus Mazuran von der Werbeagentur Wien Nord setzt aber nicht auf Machogehabe, sondern auf Selbstironie: „Ein echter Mann ist, wer über seiner Männlichkeit steht und bereit ist, sich selbst auf die Schaufel zu nehmen.“

Bisher wurden zehn Videos eingeschickt. „Es ist aber auch Mist dabei“, sagt Mazuran. Zum Beispiel wurde ein Spot, der auf Kosten von Frauen geht, aus dem Bewerb genommen. Selbige sind auch eingeladen, an dem Wettbewerb teilzunehmen. „Gerade im Frauenkreis wird das Thema Männlichkeit stark diskutiert“, meint der Werber. Er erzählt von einer Markenuhr, die mit dem Slogan „Der Uhr“ beworben wurde und Männer ansprechen sollte. Im Endeffekt hätten sie dann aber viel mehr Frauen gekauft.

Wann das Gewinnervideo gekürt wird, ist noch unklar. „Wer wagt, Content von Konsumenten machen zu lassen, geht ein Risiko ein“, sagt Mazuran. Vielleicht entsteht ein Hype um das Cola, vielleicht floppt die Werbung aber auch und die Einsendungen taugen nichts. Fakt ist, dass die gesamte Kampagne des Billig-Colas weniger kostet als ein einzelner Spot von Coca-Cola.


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