Kraliceks Festwochentagebuch

Notizen eines Festwochenbesuchers auf der Suche nach dem Theaterglück (2)

Feuilleton | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Die Betroffenheitskeule und andere gefährliche Betäubungsmittel

Montag, 17. Mai: Liebes Tagebuch! Heute habe ich gelernt, dass auch postdramatisches Theater ganz schön uncool sein kann. Das deutsche Duo Gintersdorfer/Klaßen zeigte seine beim Off-Theater-Festival Impulse ausgezeichnete Performance „Othello c’est qui?“, in der sich eine deutsche Schauspielerin und ein ivorischer Tänzer in zwei Schrift- (deutsch und französisch) und zwei Körpersprachen (europäisch und afrikanisch) über die Figur des Othello unterhalten. Der berühmteste Schwarze der Literaturgeschichte ist in Afrika nämlich weitgehend unbekannt. Im Lauf des Gesprächs bestätigt der schwarze Darsteller dann all die negativen Eigenschaften, die Europäer auf Othello projizieren – ehe er uns am Ende dann, ätsch!, zu verstehen gibt, dass er das alles nur gespielt hat. Und wir sollten jetzt wohl alle sehr betroffen sein. Irgendwie ein sehr deutscher Abend.

Mittwoch, 19. Mai: Die Betroffenheitskeule hat auch der


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