Pizza, Mord und Vorstadtelend

Feuilleton | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Andrej Longo verwandelt den neapolitanischen Alltag in elektrisierende Erzählungen

Porträt: Matthias Dusini / Neapel

Neapel wirkt auf den mülltrennenden Mitteleuropäer wie ein Märchen, in dem die Hexe die Prinzessin besiegt hat. Man denkt an einen pittoresken Fischerhafen und romantische Sonnenuntergänge und sieht stinkende Autoschlangen zwischen barocken Palazzi und Müll neben griechischen Säulen.

Der Marktplatz, wo einst Waren aus aller Welt ausgebreitet wurden, ist heute leer, der Blick auf den Hafen von einem Wohnblock verstellt, den ein korrupter Bürgermeister in den 50er-Jahren in den Himmel wachsen ließ. Erbarmungslos brach die Zementmoderne über diese Stadt herein.

Auf der Piazza Mercato steht an einem kühlen Märztag der Schriftsteller Andrej Longo mit einer Gruppe von Journalisten, die sein deutscher Verlag anlässlich der Übersetzung des Buches „Zehn“ hierher brachte, und schweigt. Das Wort führt ein in Neapel lebender, deutscher Journalist, der erklärt, was man


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