Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Einmal Regen in Wien, zweimal am Heldenplatz

Es hat geregnet. Sie haben es wahrscheinlich mitbekommen. Es hat geregnet, tagelang, manchmal tröpfchenweise wie aus einem nassen fauligen Putzfetzen, dann stürmisch, sodass die Lerchenfelder Straße zum reißenden Flussbett wurde, wie uns ein Internet-Video eindrücklich zeigte. Es hat natürlich – unnötig zu sagen – auch am Heldenplatz geregnet. Dort traten wir letztens aus einem Torbogen ins Freie, grauer Himmel, es regnet. Und: Auf der Wiese läuft die Sprinkleranlage. Wir geben ja freimütig zu, dass wir von botanischen Zyklen keine Ahnung haben, stellen aber an dieser Stelle doch die Sinnfrage: War der Gärtner verliebt? Ließ er es am Tag seiner Pensionierung noch einmal richtig krachen? Wollte er trotzig der Welt und ihrer Unberechenbarkeit seinen immergleichen Pflichteifer entgegensetzen? Oder regelt gar ein halbjährlich einzuschaltender Computer die Anlage? Und in der Zwischenzeit fährt der Zuständige auf Urlaub, an die Adria etwa, wo es ebenfalls regnet. Dort steht er dann und denkt: „Na großartig, und in Wien scheint sicher die Sonne.“


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