Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Es ist nur ein Scharmützel

Wer diese Kolumne aufmerksam verfolgt, der ahnt es vielleicht: Ein Kulturkampf bricht an in der Steiermark. Die ersten Scharmützel wurden am Hauptplatz geschlagen (Stichwort: „Pracht der Tracht“), jetzt schwappt der Kampf aufs andere Murufer, ja sogar über die Landesgrenzen. So überboten sich in der Vorwoche die Vertreter von ÖVP und FPÖ in Rettungsappellen für das Freilichtmuseum Stübing. Dort hatten die Verantwortlichen mehr alte Bauernhäuser aufgestellt, als man sich leisten konnte, jetzt fehlen 400.000 Euro. Im Nationalrat wurde petitioniert, durch die Leserbriefseiten der Kleinen Zeitung geisterte das Wort „Kulturschande“.

Andere Schlacht, ähnlicher Kampf, keine Leserbriefe: Das Medienkunstlabor im Kunsthaus wird zugesperrt. Gegründet wurde es, um der lokalen Medienkunstszene als Ort der Produktion und des Austauschs zu dienen. Sechs Jahre später hält Kunsthauschef Peter Pakesch das Ganze für nicht mehr sinnvoll. Bringe nichts, koste zu viel. So ganz geheuer, hatte man den Eindruck, war das Labor dem Kunsthaus ohnehin nie. Künftig will Pakesch die Räume jedenfalls an die Creative Industries Styria (CIS) vermieten – das ist der im Mehrheitseigentum der steirischen Wirtschaftsförderung stehende Kreativwirtschaftsvernetzer des Landes. Die CIS soll dort – und nicht etwa in dem von ihr aktuell gehypten Kreativgrätzel, dem „Jakominiviertel“ – einen Design-Showroom einrichten. Was das bedeutet? Aus einem aus dem Kunstbudget finanzierten Ort zur Bündelung dezentraler Produktion wird ein von der Wirtschaftsförderung getragener zentraler Ort der Repräsentation. Der Untergang des Abendlandes? Nein, erst der Anfang.

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


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