Was ein Autor entdeckt, wenn er um sich selbst tanzt

Steiermark | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

In zwölf schlauen „Versuchen“ umkreist Günter Eichberger Gunter Falk, David Lynch und andere gute, alte Bekannte

Buchkritik: Thomas Wolkinger

Dass Günter Eichberger einer ist, der, wenn er treffen will, extra nicht ins Schwarze zielt, weiß jeder, der schon einmal Bekanntschaft mit einem Text des Sprachflaneurs gemacht hat. Eichberger tastet sich lieber vorsichtig an die Subjekte seines Interesses heran, umkreist sie, wie man einen Traum umkreist, der sich sonst verflüchtigt, umtänzelt sie gleichsam am Ereignishorizont. Das hat mit Respekt zu tun, aber auch mit dem vom Autor behaupteten Paradoxon, dass die Kunst, versuche man nur, sie begrifflich zu fassen, gerne zurückweiche. Und umgekehrt: „Indem er nicht beschrieben wird, beginnt er als Leerstelle zu erscheinen, mit dem Glanz der Abwesenheit“, schreibt Eichberger in seinem Essay über Helmut Eisendle, einem von zwölf „Versuchen“, die nebst einem Nachwort von Wilhelm Hengstler den wohlkomponierten und eben erschienenen Band „Leere Abwesenheitsmitteilung“ bilden.

Derart zum Glänzen bringt Eichberger in seinen ganz im Geiste Montaignes mäandernden Versuchen zunächst alte Weggefährten wie Gunter Falk, Wolfgang Bauer oder Claus Schöner, wendet sich in einem zweiten Teil dann lebenslangen Begleitern aus der Popkultur wie Bob Dylan oder David Lynch zu, um schließlich im dritten Teil bei ganz persönlichen Geschichten zu landen. Um das Schreiben geht es da oder um Johann Preiss, einen Onkel, der im Widerstand gegen die Nazis tätig war und dem sich Eichberger schon im Prosaband „NEIN“ zu nähern versucht hatte. Am Ende umtänzelt der Autor dann sich selbst. Was Eichberger dabei entdeckt? Klar, einen blinden Fleck. Glänzend.

Günter Eichberger: Leere Abwesenheitsmitteilung. Sonderzahl Verlag (edition graz band 4), 146 S., € 16,- Präsentation und Lesung am 1.6., 20.00, Literaturhaus Graz


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