Fragen Sie Frau Andrea

Góignfogl, Gauch, Juxbruada und Bledisten

Kolumnen | aus FALTER 21/10 vom 26.05.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

ich erinnere mich, dass meine Eltern – die Mutter aus dem Weinviertel, der Vater aus dem Wiener Kleinbürgertum – im Fall von Verärgerung über ein imbeziles weibliches Geschöpf früher gerne zum Schimpfwort „Bledirl“ oder „Ble(h)dirdl“ griffen – was große Ratlosigkeit in mir hervorrief. Ich reimte mir damals zusammen, dass das wohl etwas mit einstmals blöden Türen zu tun haben müsse, bin bis heute mit dieser Erklärung aber nicht wirklich zufrieden. Kannst du mir etymologisch weiterhelfen?

Liebe Grüße, Dein Florian Holzer per Gesichtsbuchdirektnachricht

Lieber Florian,

mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem von dir angeführten Pejorativ um die Bezeichnung Bledidl. Das absolute Standardwerk zur Erörterung solcher Probleme, Hornung/Grüners 800-seitiges „Wörterbuch der Wiener Mundart“, versteht darunter einen blöden, spaßigen Menschen. Einen Kasperl, einen Schelm, wenn ich das einmal so sagen darf.

Allerdings vorzugsweise einen Mann. Frauenzimmer und Zimmertüren werden im Allgemeinen weniger oft als Bledidl bezeichnet. In Anlehnung an den Grobian und den Dummrian kennt das Wienerische auch den Bledian.

Fachkräfte im Unsinntreiben können in semantischer Analogie zu Dentist und Drogist auch Bledist genannt werden, weniger sympathische Tröpfe schlicht Bledl.

Das wienerische bled kommt wie das hochdeutsche blöd vom mittelhochdeutschen blœde und vom althochdeutschen blodi und bedeutet ursprünglich so viel wie gebrechlich, zaghaft. Ein sehr ähnliches Wort ist „bloß“, in seiner Bedeutung schwach, zart, nass.

Der Bledidl ist im Gegensatz zu Drottl oder Suam behände und leichtfüßig. Synonyme, die er mit dem Kasperl (wienerisch Khaschbal) teilt, sind: Aóglegda, Aóff, Bimpal, Bojádsa, Britschinöla, Einlog, Fitsslibutssli, Góignfogl, Gauch, Juxbruada, Khinésa, Khoifókda, Khoschba, Khoschbanölli, Noa, Schbasfogl, Schmähfiara, Schnipfa, Schöm und Wuaschdl.

Vor die Wahl gestellt, als Bledidl, Schmähfiara oder Wuaschdl zu firmieren, mögen sich Bezeichnete doch für Letzteren entscheiden, denn „in Wuaschdl kaun kana daschlogn“.


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