Zwischen Genie und wahnsinniger Ablehnung

Lexikon | Florian Obkircher | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

David Guetta spaltet die Fans des Urban Art Forms Festivals

Sein Hit „When Love Takes Over“ war für einen Grammy nominiert, sein Track „Sexy Bitch“ steht seit langem in den österreichischen Charts. Gäbe es ein „Best Of Böse“ der Underground-Club-Szene, David Guetta würde derzeit wohl unter den Top-3 rangieren. Dass der französische House-Produzent heuer die Headliner-Position am Urban Art Forms einnimmt, erhitzt die Gemüter.

Ein Kommerzler, eine Frechheit, urteilen die 1.200 Mitglieder der Facebook-Gruppe „Wir sind gegen David Guetta am UAF!“. Er würde die Gemütlichkeit des Dance-Festivals zwischen Techno, Drum’n’Bass und Psytrance zerstören und zu einer Invasion von High-Heels und Muscle-Shirts führen, befürchten die Anhänger der Gruppe. Doch um Underground ging’s beim dreitätigen Fest in Wiesen in erster Linie ja nie. Eher ist es Organisator Christian Lakatos ein Anliegen, Musikern und Visualisten eine gemeinsame Plattform zu geben, die visuelle Ebene gegenüber der akustischen zu emanzipieren. Mit über 1000 Quadratmetern Projektionsfläche, die von internationalen VJ-Crews wie Benski, 3rd Eye oder den heimischen Pionieren Lichttapete bespielt wird. Und natürlich will Lakatos sein Festival wachsen sehen. Lockte das erste Urban Art Forms 2005 noch 9.000 Raver, waren es im letzten Jahr viermal so viele. Und mit David Guetta, flankiert von Großraum-Disco-Stars wie Carl Cox, Armand Von Helden, Moguai oder Moonbootica, stehen die Chancen auf einen neuerlichen Besucherrekord ausgesprochen gut. Dass die feine Klinge avancierter Elektronikkünstler bei all den Superlativen zu kurz kommt, ist ein Kritikpunkt, der das Festival seit dem Anfang begleitet. Ein Kritikpunkt allerdings, der heuer mit frischen Acts wie dem Dubstep-Maestro Benga, der portugiesisch-angolischen Ghetto-House-Posse Buraka Som Sistema oder dem Berliner Electronica-Pop-Band Bodi Bill ansatzweise entkräftet wird. David Guetta hin oder her.

Urban Art Forms, Wiesen (Bgld), 3.–6.6.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige