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Späte Premiere für den König der Romantiker

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Wenn man seinen Liedern glauben kann, hat es Chris Isaak wirklich nicht leicht mit den Frauen. Immer wieder brechen sie ihr Wort und sein Herz. Grundsätzlich sind sie nie da, wenn er sie braucht. Und wenn es ausnahmsweise einmal er selber war, der es verbockt hat, dann sind diese herzlosen Wesen natürlich nicht bereit, ihm eine zweite Chance zu geben. Chris Isaak ist der König der unglücklich Verliebten. Verzweifelt aber klingt er nur selten. Erstens scheint der Mann ganz gern ein bisschen traurig zu sein. Zweitens hat er ja noch seine Gitarre. Und drittens gibt es immer noch jede Menge Frauen auf dieser Welt, die ihn noch nicht unglücklich gemacht haben.

Diese Woche kommt Chris Isaak erstmals nach Wien – es war höchste Zeit. Genau 20 Jahre ist es her, dass die Karriere des kalifornischen Sängers ihren entscheidenden Kick bekam: David Lynch hatte in seinem Roadmovie „Wild at Heart“ eine Instrumentalversion von Isaaks Song „Wicked Game“ eingesetzt, der daraufhin – mit Gesang – ein Hit wurde. Wer nur diese Nummer kennt, dem sei versichert: Es gibt locker noch zwei Dutzend von der Sorte. Melancholie und Mainstreamrock, das ist bei Chris Isaak eine umwerfende Mischung.

In den 90ern hat der heute 53-Jährige ein fantastisches Album nach dem anderen aufgenommen und ein paar kleine Filmrollen gespielt, in den USA hatte er vor ein paar Jahren sogar eine eigene Fernsehserie. Zumindest bei uns ist Isaaks Ruhm inzwischen aber offenbar verblasst: Sein Wien-Debüt wurde wegen mangelnder Nachfrage vom Gasometer in die Szene Wien verlegt (Support: Garish). Wir sollten diesem großen Romantiker, der live auch ein echter Entertainer ist, einen möglichst würdigen, freundlichen Empfang bereiten. Schon allein deshalb, weil man bei Chris Isaak davon ausgehen muss, dass er gerade Liebeskummer hat.

Szene Wien, Do 20.00


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