Neu im Kino

Verblendung, Verdammnis und nun die „Vergebung“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Mit „Vergebung“ endet Stieg Larssons Millenium-Trilogie nach langen Stunden des Verbrechens, der Intrige und der Gewalt überraschend dort, wo in Demokratien nach wie vor Recht gesprochen wird: im Gerichtssaal. Andererseits ist das angesichts der politischen Gesinnung des antifaschistischen Bestsellerautors nur schlüssig: So korrupt kann ein Staat (vulgo Schweden), so machtgeil können seine Industriellen und so gewissenlos seine Anwälte gar nicht sein, dass sie am Ende nicht der gerechten Strafe zugeführt würden.

Nur braucht es dazu eben die Zivilcourage und den Spürsinn eines Journalisten wie Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) und die Unverfrorenheit und Unangepasstheit einer Hackerin wie Lisbeth Salander (Noomi Rapace). Funktioniert der Generationen- und Geschlechtervertrag, hat das Böse am Ende gegen den Alten und die Kajal-Punkerin keine Chance.

Zum Auftakt des Finales liegt die angeklagte Selbstjustizlerin Salander jedoch zunächst schwer verletzt im Krankenhaus, nur wenige Zimmer von ihrem Peinigervater entfernt. Derweil ist bei der Staatssicherheit, die natürlich ihre schmutzigen Finger im Spiel hat, das große Vertuschen und Auftragsmorden an-gesagt.

Dass nach dem einigermaßen starken Auftakt der Trilogie mit „Verblendung“ (Regie: Niels Arden Oplev) die beiden weiteren Teile dem Fernsehroutinier Daniel Alfredson und – schlimmer noch – unterschiedlichen Drehbuchautoren überantwortet wurden, gereicht auch „Vergebung“ (eigentlich: „Das Luftschloss, das gesprengt wurde“) zum Nachteil. Um das Erbe des 2004 verstorbenen Larsson wird angeblich nach wie vor gestritten – selbstverständlich demokratisch und vor Gericht.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Top)


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