Neu im Kino

„Sex and the City 2“ – Wer ist hier skurril?

Lexikon | Stefan Kluger | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

New York City ist out. Warum nicht in die Vereinigten Arabischen Emirate jetten, um sich vollends der Dekadenz hinzugeben? So reisen Carrie und ihre drei Freundinnen Samantha, Charlotte und Miranda ins Emirat Abu Dhabi. Abgesehen vom doch recht deplatziert anmutenden Schauplatz ändert sich nicht viel gegenüber Teil 1: Alle vier Frauen haben mit ihren Problemchen zu kämpfen, wenn nicht gerade geshoppt, gefuttert oder gefickt wird.

Während Sexbombe Samantha nach ewiger Jugend strebt, Hausfrau und Mutter Charlotte die kinderfreie Zeit genießt und Karrierefrau Miranda endlich abschalten lernt, ist es – Überraschung! – wieder einmal Carrie, welche die Hauptlast trägt. Erst kürzlich verheiratet, hat sich bereits Langeweile in ihr Leben geschlichen.

So plätschert die Geschichte vor sich hin, gut eingestreute Holzhammergags verhindern dauerhafte Apathie. Spätestens wenn sich Carrie und Co mit verschleierten Frauen des Emirats verschwistern, weil offenbar wirklich alle auf Designerfetzen stehen, macht sich Fassungslosigkeit breit. Nicht zu unterbieten, denkt man – und wird eines Besseren belehrt.

Es ist müßig darüber zu lamentieren, wie abgehoben und versnobt die Protagonistinnen von „Sex and the City“ doch sind. Gerade diese Maßlosigkeit, dem Film aus jeder Pore triefend, macht den perversen Reiz aus. Die Geschichte selbst ist vorhersehbar und beinahe unerträglich klischeehaft; nette Ansätze werden konsequent demoliert. Während Samantha, Charlotte und Miranda mit ihren extremen, aber irgendwie charmanten Schrullen für den einen oder anderen (peinlichen) Lacher sorgen, ist die eigentliche Karikatur des Films eine untadelige Carrie – in ihrem langweiligen Streben nach unmenschlicher Perfektion.

Weiterhin in den Kinos (OF im Artis, Burg, Haydn)


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