Theater Kritik

„Paradise now“ im Next Liberty

Steiermark | Marie Gamillscheg | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Der mehrfach preisgekrönte Film „Paradise now“ des Palästinensers Hany Abu-Assad stand 2005 im Mittelpunkt kontroverser Debatten, weil ihm Antisemitismus vorgeworfen wurde. Dennoch wurde er sogar für den Oscar nominiert. Nach einer Bühnenfassung von Konradin Kunze feierte das Stück nun seine österreichische Uraufführung unter der Regie von Daniel Doujenis. „Paradise now“ erzählt die Geschichte der palästinensischen Freunde Said und Khaled, deren trostloser Alltag eines Tages durch einen Auftrag auf den Kopf gestellt wird: Sie sind auserwählt worden, als Märtyrer zu sterben. Doch die Aktion erweist sich als nicht so einfach wie gedacht, und das Wiederauftauchen der Menschenrechtsaktivistin Suha, die seit langer Zeit wieder in ihre Heimat zurückgekehrt ist, führt dazu, dass die beiden beginnen, an ihrer Aufgabe zu zweifeln.

Das dritte Regiewerk des früheren Schauspielhaus-Ensemblemitglieds Doujenis überzeugt durch Videoprojektionen (Roland Renner), die palästinensische Kinder mit fiktiven Interviews aus dem Off zeigen, und durch ein simples Bühnenbild (Vibeke Andersen), doch fehlt es zum Teil an schauspielerischer Überzeugungskraft. Die Aufregung im Kampf zwischen Suha (Lisa Schrammel) und Khaled (Helmut Pucher) wirkt wenig realistisch, einige der als witzig gedachten Wortwechsel zerstören ernste Momente. Fraglich, ob sich das Thema wirklich auf eine Theaterstunde eindampfen lässt, oft wirken die Szenen gehetzt, interessante Gedanken können nicht ausgeformt werden. „Paradise now“ ist damit ein Stück, dem es einerseits an Atmosphäre mangelt, das sich aber dem empfiehlt, der sich – jenseits moralisierender Sensibilisierung – für das Lebensgefühl von Jugendlichen im Israel-Palästina-Konflikt interessiert.

Next Liberty, Di 19.00, Mi 10.30


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