Kunst Kritik

Wo die wilden Künstler wohnen

Steiermark | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Das Hotel Pupik ist zwanzig Jahre alt. Eigentlich ist das Hotel eine aufgelassene Schwarzenberg’sche Meierei in St. Lorenzen bei Scheifling, wo seit zwei Jahrzehnten jeden Sommer ein Artist-in-Residence-Programm vonstatten geht. Monatelang wird gearbeitet, präsentiert und gefeiert. Bis zu 30 Künstlerinnen und Künstler aller Gattungen nehmen jedes Jahr daran teil, zum Jubiläum hat sich der Betreiberverein O.R.F. rund um Heimo Wallner und Uli Vonbank-Schedler mit einer Ausstellung im Forum Stadtpark belohnt. „Lieblingspositionen“ heißt die Ausstellung mit gutem Grund: Schaut man sich die Kataloge der letzten zehn Jahre an, die bei der Ausstellung zusammen mit einer Doppel-CD präsentiert wurden, findet man die nun präsentierten Arbeiten in dieser oder ähnlicher Form wieder. Der Ausstellungstitel ist also Programm, die Ausstellung selbst kann sich sehen lassen. Vonbank-Schedler etwa rext gefundene Dinge ein, das kommt gerade bei Fröschen gut. Martin Dickinger überzieht Konsumartikel mit Papiermaché und legt damit große, graue Haufen an, wie die Gebeine der Wohlstandsgesellschaft. Mysteriös sozialkritisch wird es bei Ulrike Johannsen, die für ihre Arbeit „Stockholm Syndrome“ eine Schneiderpuppe in ein Damen-Business-Kostüm steckt, bei genauer Betrachtung lassen sich versteckte Botschaften wie „Obey me“ rauslesen. Was auf eine Leistungsgesellschaft reflektiert, die nicht ausbrechen, sondern noch mehr leisten möchte. Als roter Faden zieht sich durch die Ausstellung, dass viele der Positionen die unmittelbare Umgebung, die Tierwelt oder ortstypische Materialien, Eindrücke und Erlebnisse verarbeiten. Am 4.6. feiern die Pupiks mit Konzerten, mit dabei etwa pivot, Josef Klammer oder Fugu and The Cosmic Mumu. TS

Forum Stadtpark, bis 13.6. Geburtstagskonzerte am 4.6. um 19.00


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