„Romale!" Roma definieren selbst, wer sie sein wollen

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Romafestival mit ebenso dichtem wie vielfältigem Programm

Sieht man nur kurz hin, erwecken die Collagen von delaine Le Bas – gute alte Frauen-Handarbeit! – einen harmlosen Eindruck: bunt, mit lächelnden Tieren und lieblichen Mädchenfiguren. Doch dann sieht man da einen Totenschädel grinsen, dort einen Mund klaffen, Dämonen und Botschaften an Wänden deuten ein Grauen an. „Als Romni ist meine Perspektive immer die einer Außenseiterin gewesen", erklärt die britische Künstlerin, „und diese Position als ‚Andere‘ widerspiegelt sich in den Materialien und Botschaften meines Werkes."

Zum zweiten Mal veranstaltet die Akademie Graz ein Festival über die europäischen Roma, einen Gutteil des so dichten wie vielfältigen Programms bestreiten Roma aus ganz Europa. „Empty the boxes!" heißt das Motto: Nicht ethnische Differenz steht im Mittelpunkt, sondern die Komplexität jeder einzelnen Identität.

Negative wie positive Rassismen sind das Thema der Ausstellung „Inside, Outside ... And The Spaces In Between", zu sehen sind unter anderem international gefragte Roma-Künstler wie dušan ristiæ oder eben delaine und damian Le Bas. In unseren Gefilden auch nicht allzu bekannt sind bislang Roma-Märchen, in Graz kann man ihnen nun lauschen. „Peskhere Jakhenca – With Own Eyes" nennt sich eine Fotoschau, für die sich Kinder eines slowakischen Dorfes, in dem völlig segregiert vom Rest der Bevölkerung ausschließlich Roma leben, selbst und ihr Dorf vor die Linse genommen haben.

Vorträge und Diskussionsveranstaltungen erkunden das Bettlerdasein und die Gewalt gegen Roma. Da schadet es nicht, dass hinterher das shukar Collective aufdreht, das traditionelle Musik der Ursari, die Bären mit Gesang und Löffeln zum Tanzen brachten, auf Bukarester Underground-Sound prallen lässt.

Kunstraum Next Andrä u. a. Orte, ab Do 19.00


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