Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Ich möchte diese programmatisch recherchefrei gehaltene Rubrik diesmal aus gegebenem Anlass mit Selbstmitleid füllen. Selbstverständlich steht es jedermann und vor allem jederfrau frei, mich zu bedauern, ich möchte aber darauf hinweisen, dass das insofern nicht notwendig ist, als ich es dann ja schon selbst erledigt habe. Es sei darüber hinaus erwähnt, dass es da draußen viele Menschen gibt, die Ähnliches zu ertragen haben, denn das Leid des Literaturredakteurs ist überall das gleiche. Neidvoll blickt dieser auf die Schreibtische seiner Kolleginnen und Kollegen aus der Politikredaktion, wo sich selbst während wochenlanger Absenzen gerade mal ein halbes Dutzend Kuverts einfindet. Geht hingegen der Literaturredakteur zur falschen Zeit (sagen wir: um Pfingsten) auch nur einen Tag auf Urlaub, rächt sich das entsetzlich: Der ganze Schreibtisch ist zugestellt mit den sogenannten „Herbstnovitäten“ oder Papiersorten, die auf ebendiese hinweisen.

Nachdem in letzter Zeit die „originelle Verpackung“ wieder öfter ihr schmutziges Haupt erhebt, muss mir Empfangschef Josef Egger auch noch mit seiner stets griffbereit gehaltenen Brechstange helfen, um einer mehrfach geklammerten Sperrholzkiste mit der Aufschrift „zerbrechlich“ ein Buch mit dem Titel „Zerbrechlich“ zu entbergen. Um es mit den Worten des Restaurantkritikers zu sagen, dem ein kulinarischer Gruß des Hauses serviert wird: „Das habe ich nicht bestellt.“ Verlage, lasst das! Prüft lieber einmal, wie viele der unverlangt eingesandten Rezensionsexemplare in den letzten 20 Jahren im Falter besprochen wurden und zieht daraus eure Schlüsse!


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