Meinesgleichen

Auf ein Wort: Markwort im ORF. Wieso?

Falter & Meinung | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Das Burgenland ist gewiss ein Sonderfall für die österreichische Variante der Politik der Gefühle, wie das vor 24 Jahren geprägte Wort Josef Haslingers lautet. Es ist die Heimat des Sicherheitsgefühls, das wir alle uns gern was kosten lassen. Das Scheinheiligkeitsgefühl hingegen ist gratis, wenn sich die Schwarzen über die von den Roten veranstaltete „Materialschlacht“ empören, als hätten nicht sie selbst vor kurzer Zeit über das benachbarte Niederösterreich ihre sauteure (und wirksame) schwarze Propagandawalze rollen lassen. Der ORF passt sich dem Niveau an. „Wir schalten zu Helmut Markwort“, heißt es unvermittelt in der Sendung „Zeit im Bild Zwei“.

Was der zausschöpfige Focus-Herausgeber im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als Kommentator verloren hat, verstehe, wer will. Markwort sieht man lieber auf der Ehrentribüne von Bayern München, wo er im Verwaltungsrat wirkt, Karl-Heinz Rummenigge halsen. Oder man belächelte ihn als Journalistendarsteller im Werbefernsehen („Fakten, Fakten, Fakten“). Aber als gleichsam neutraler Fachmann in einer Frage von staatspolitischer Bedeutung?

Zu einer Debatte mag man Markwort jederzeit einladen. Dann kriegt man saftige Aussagen wie jene, die SPD betreibe eine Politik des „nationalen Sozialismus“. Ihn aber als kompetenten Auskunftsgeber auftreten zu lassen, zeugt vom schlampigen Verhältnis des ORF zum öffentlich-rechtlichen Journalismus. Er betreibt sozusagen einen Journalismus der Gefühle.


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