Glosse

Die „Praxen“ sollten dringend mal zum Diskursdoktor gehen

Sprachkritik

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Der sprachmagische Glaube an die realitätsverändernde Kraft des rechten Wortes blüht in bildungsnahen Milieus besonders üppig. Seit Jahrzehnten etwa kann man Vertreter des akademischen Marxismus und deren Epigonen daran erkennen, dass sie die exkludierende diskursive Praxis jargonesker Autoimmunisierung mit dem Anspruch auf perlokutionäres Selfempowerment oxymoronisch junktimieren, indem sie „Handlungen“ als „ärztliche Ordinationen“ bezeichnen, also „Praxen“ sagen, wo sie „Praktiken“ meinen. Das haben schlechte Althusser-Übersetzer in die Welt gesetzt, das bleibt jetzt wohl für immer so. Letzte Woche erreichte uns eine Einladung zu einer Podiumsdiskussion über „Institutionellen Rassismus und Gegenpraxen“ – ein weiterer Fall einer hartnäckigen linguistischen Autoimmunerkrankung.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige