Kommentar

Die Kapitalismuskritik geht, der kritiklose Realismus kommt

Kulturpolitik

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Zwei kulturpolitische Neuigkeiten wurden zwischen Wien und New York ausgetauscht. Die Kuratorin und Kulturmanagerin Sabine Breitwieser übernimmt eine Abteilung des Museums of Modern Art (MoMa). Die Wiener Albertina bekommt Verstärkung aus New York: Der Künstler Alex Katz schenkte dem Museum sein druckgrafisches Werk. Kein großes Museum seiner Heimatstadt habe sich nachdrücklich genug darum bemüht, lautet seine Begründung.

Auch Breitwiesers Heimat zeigt sich an deren Qualitäten wenig interessiert. Obwohl sie mit der Generali Foundation ein weltweit beachtetes Museum für Performance- und Videokunst aufbaute, blitzte sie mit ihrer Bewerbung für das Direktorium des Museums moderner Kunst ab.

SPÖ-Kulturministerin Claudia Schmied gab einer anderen den Vorzug. Sie gratulierte Breitwieser nun mit ihrer berüchtigten konfuzianischen Freundlichkeit. Die Freude kommt sicher aus tiefem Herzen.

Aus New York kommt ein Liebling der Upper Class. Über Katz heißt es, er werde nicht ruhen, bis nicht in allen Salons von Long Island eines seiner ausdruckslosen Porträts oder eine seiner unbewegten Landschaften hängt. Dieser Popkünstler ohne Factory vermittelt dem Wiener Museumsbesucher die New Yorker Sonnenbrillen- und Haarmoden der letzten 50 Jahre. Nicht mehr Dürers Hase, sondern das Porträt der Vogue-Chefredakteurin prägt nun die Marke Albertina.

Das MoMa engagierte mit Breitwieser jemanden, der für politisch engagierte Kunst abseits von Marktströmungen steht. Die Kapitalismuskritik geht nach New York, der kapitalistische Realismus kommt nach Wien. Der Inhalt rückt ab, die Oberfläche bürgert sich ein.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige