Mediaforschung

„Herr Haderer, warum zeichnen Sie Comics für die SPÖ?“

Nachfragekolumne

Medien | Anna Sawerthal | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Schwarzes Sakko, schütteres Haar, den Blick in die Kronen Zeitung vertieft. So sieht er aus, der typische Wiener Kaffeehausbesucher. Erst als er liest, dass Heinz Fischer 80 Prozent der Wählerstimmen errungen hat, hebt er die Hand: „Herr Ober, eine rote Nelke, bitte!“ Er steckt sich die Blume stolz an die Brust: „Das Leben kann manchmal sehr gerecht sein.“

Es war gleich am Tag nach den Wahlen, als Gerhard Haderer diesen Comic zeichnete, „mit einer ordentlichen Portion Selbstironie“, wie er sagt. Seine Idee war, mit dem Streifen explizit SPÖ-Werbung zu machen. „Natürlich ist es unschick, für die SPÖ zu zeichnen, aber das ist mir momentan wurscht.“ Denn wenn der Zeichner die Comics mit „Für Häupl“ unterschreibt, meint er eigentlich „Gegen Strache“. „Ich bin das rechte Geplärr satt“, sagt er. „Weg mit dem Keuschheitsmäntelchen! Aus dieser kindischen Emotion heraus habe ich bei der SPÖ angerufen. Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde.“ Das reine Strache-Bashing wäre ihm zu unproduktiv gewesen.

So hat sich etwa Jörg Haider selbst nach dem „Jörgi, der Drachentöter“-Buch als Haderer-Fan geoutet. Haderer findet aber, dass er sich seine Fans selber aussuchen kann. Und seine Auftraggeber auch: Nachdem das profil letztes Jahr seine Stelle als Cartoonist gekürzt hatte, traten sowohl ÖVP als auch FPÖ an ihn heran. „Die haben sich nicht entblödet, mich mit Angeboten zu beleidigen. Grundsätzlich kann jeder zeichnen, aber progressive Satire kann nie von rechts kommen. Mit diesem HC-Man hat sich Strache am Medium Comic vergriffen“, sagt Haderer.

Der Gegenangriff kommt jetzt. Die subtilen Töne Haderers werden vierzehntägig als Plakat für Aufmerksamkeit sorgen, ab Juli sogar wöchentlich. Haderer will „ein Staccato von Cartoons“ erzeugen. Denn er will sich einmischen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige