Technik

Dinge, die uns brauchen

Medien | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Wischen statt blättern, das ist also die Zukunft der Zeitung

Prüfbericht: Thomas Vašek

Muss man Magazine auf dem iPad lesen? Nein, man muss nicht. Aber man will. An sich mag ich an gedruckten Zeitschriften ja das Umblättern, das Anstreichen, die Kaffeeflecken – und das anschließende Wegschmeißen. Es ist nur so, dass ich auch darauf verzichten kann. Seit letzter Woche gibt es also eine iPad-Applikation, sprich „Äpp“, für den Spiegel und einige andere Medienprodukte – pünktlich zum deutschen Marktstart der „Wunderflunder“. Das Wichtigste: Zeitschriften auf dem iPad zu lesen macht Spaß. Das liegt mehr am Gerät als an den „Äpps“. Über die Seiten des Spiegel zu „wischen“ statt sie umzublättern ist ein wesentlicher Teil dieser Erfahrung. Viele Features dienen einfach dem Lesekomfort.

Dass die „Äpp“ etwa wieder auf die zuletzt gelesene Stelle zurückspringt, wenn man zwischendurch mal schnell ein E-Mail schreiben muss. Alles unspektakulär, aber nett. Aufregender sind natürlich die Zusatzangebote. Man klickt auf ein Foto und kann sich ein eingebettetes Video anschauen. Oder man holt sich zu einer Geschichte schnell die aktuellen Nachrichten von Spiegel Online. Das alles ist noch nicht sehr einfallsreich. Allerdings glaube ich tatsächlich, dass die „Äpps“ die Leseerfahrung tatsächlich dramatisch verändern: Lesen wird zum Spiel. Zwei uralte, grundverschiedene Kulturformen treffen aufeinander.

Ob das funktioniert, wird sich zeigen. Mit 3,99 Euro ist die iPad-Äpp für deutsche Leser teurer als die gedruckte Ausgabe (3,80 Euro), für Leser bei uns, wo der Spiegel in der Trafik 4,10 Euro kostet, etwas billiger. Mal sehen, was den Lesern der Spaß wert ist.

Thomas Vašek ist Journalist und Buchautor in München


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige