Am Abgrund geht die Sonne auf

Feuilleton | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Gleich mehrere Schauen widmen sich einem der spannendsten Kapitel der neueren Kulturgeschichte: dem kaputten New York um 1980

City Guide: Matthias Dusini

Welch grandioses Angebot für den New-York-Flaneur: Er kann durch Brandruinen schlendern oder einem Raubüberfall beiwohnen, ein Schwätzchen mit seinem Dealer halten oder dem Graffitikünstler Fab 5 Freddy beim Sprayen zuschauen. Ein Model in einem Cabriolet fragt den Bummler, ob er zu ihm ziehen möchte. Dann schaut er im Tonstudio vorbei, wo Arto Lindsay gerade seine Gitarre würgt.

Am Abend geht er in den Mudd Club, wo die Discoband Kid Creole and the Coconuts auftritt. Wenn die Obdachlosen sich dann ihre Pappkartons überziehen, erscheint dem müden Spaziergänger Debbie Harry als gute Fee. Warum gerade ihm? Weil er Jean-Michel Basquiat ist, ein 22-jähriger Hipster auf dem besten Weg, die Kunstwelt zu erobern.

Glenn O’Briens semidokumentarischer Film „Downtown 81“, der demnächst in der Kunsthalle Wien zu sehen sein wird, versammelt


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