Gemälde aus Kot, Passion aus Politik

Feuilleton | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Steve McQueens „Hunger“ verleiht dem historischen Hungerstreik inhaftierter IRA-Mitglieder unwirkliche Eindringlichkeit

Filmkritik: Joachim Schätz

Bevor Raymond Lohan morgens zur Arbeit fährt, schaut er unters Auto: Als Wärter im Maze-Gefängnis nahe Belfast gehört er zu den bevorzugten Attentatszielen der paramilitärischen Verbände, deren Mitglieder dort einsitzen. Stöhnend taucht der Mann wiederholt seine Hände in kaltes Wasser: Vom Prügeln der Insassen sind die Knöchel zerschunden.

Die Ereignisse um den Hungerstreik inhaftierter Mitglieder der IRA (Irish Republican Army) und der INLA (Irish National Liberation Army) anno 1981 dampft „Hunger“ auf solche beredte Gesten ein, denen die luminösen, geometrisch klaren Breitwandbilder (Kamera: Sean Bobbitt) unwirkliche Eindringlichkeit verleihen.

Das Gefängnis wird vom Film, haben wir es einmal mit Lohan betreten, kaum mehr verlassen. Der Hungerstreik, der zum Tod von zehn Inhaftierten führte, war ein bedeutsamer Einschnitt


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