Ins Mark

Helden mit Tunnelblick

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Mit viel Pomp wurde am Freitag ein Werbefilmchen über Franz Voves präsentiert, in dem der Landeshauptmann zum „local hero“ stilisiert wird. Wo die Realität mit der Heldensaga nicht mithält, wird ausgeschmückt. So dichtet der Film Voves etwa ein Olympia-Eishockeytor gegen die UdSSR an. Lokale Helden zeichnen sich in der Steiermark auch dadurch aus, dass sie für Tunnelprojekte eintreten. „Durchgesetzt“ plakatierte etwa die damalige Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (VP) in Bezug auf den Semmeringtunnel. Realisiert wurde die Röhre bis heute nicht. Und was den Koralmtunnel betrifft, posierte Voves 2007 mit Presslufthammer für ein Inserat mit dem Slogan: „...sonst hätte ich den Tunnel vielleicht alleine bohren müssen.“ Voves sollte den Presslufthammer nicht zu früh weglegen, kündigte doch die SP-Verkehrsministerin an, alle Bahnprojekte zu evaluieren. Dass der Bau des Koralmtunnels gestoppt wird, ist unwahrscheinlich, es wurde schon zu viel investiert. Der Semmeringtunnel steht hingegen erst am Anfang. Ohne diesen wäre aber der Koralmtunnel, wie selbst Voves meint, „ein totaler Wahnsinn“.

Experten wie Hermann Knoflacher von der TU Wien predigen seit Jahren, auf der Koralmstrecke gebe es zu wenig Transportpotenzial, eine billigere Variante über Slowenien sei bewusst ausgeklammert worden. Die 14 täglichen Busverbindungen zwischen Graz und Klagenfurt werden nur von rund 560 Fahrgästen genützt. Doch darüber sprechen die lokalen Helden nicht, sie posieren lieber mit Spitzhacke und betonen die internationale Bedeutung des Tunnels. Wenn die Realität diesmal nicht mithält, kommt die Heldensaga allerdings teuer.

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter


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