Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Montag und Nichtrauchen und Charakter und Sofa

Der Gesundheitsstadtrat fordert: Mehr Gesundheit für Frauen! Mann kann sich dem nur in aller Deutlichkeit anschließen. Der am vergangenen Montag in aller Ausführlichkeit begangene Weltnichtrauchertag stand diesmal unter dem vielsagenden Titel: Geschlecht und Tabak. Es klingt ein bisschen nach Suhrkamp und erinnert sofort an „Geschlecht und Charakter“ des großen Otto Weininger, der die universelle Bisexualität entdeckt hat, den männlichen Zyklus und die Tatsache, dass Der Mann das Etwas [ist], das Weib das Nichts. Das aber nur nebenbei. Interessanter ist, dass es in Burschenschaften ein Frevel höchster Güte ist, sich von einem Mädchen die Zigarette anstecken zu lassen. Ein solches Verhalten kann bis zum Ausschluss führen, wenn nicht, zumindest zur körperlichen Züchtigung. Das hat damit zu tun, dass man um die Wartburg herum panische Angst vor der Verwischung der Grenzen hat, es geht also um: Identität. So wie überall. Auch bei der Wirtschaftskammer, die dem Kreativstandort gerne eine solche verpassen würde, Wien hat nämlich schon eine, und auch Linz ist hier schon weiter als wir. Vielleicht kann das von der Tourismus- und Wirtschaftsstadträtin präsentierte revolutionäre Sofa Graz nach vorn bringen, ein Modul, das sich mit anderen seiner Art ganz leicht zusammenstecken und fixieren lässt. Der Prototyp wurde in der Justizanstalt Karlau gefertigt.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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