Selbstversuch

Schaut deppert aus, funktioniert aber gut

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 22/10 vom 02.06.2010

Stöckerlbrotgrillen klingt zum Beispiel wesentlich romantischer, als es ist. Man stellt es sich so vor, dass glückliche Kinder um ein Feuer sitzen und geduldig ihre Stöckerl über die Glut halten, auf die sie vorher einen Batzen Brotteig gedreht haben.

Aber erstens muss den Brotteil vorher jemand machen. Und ihn zweitens aufs Stockerl picken, weil er sonst garantiert ins Feuer fällt, mit dem ganzen vertraglich fixierten Heul- und Schniefprogramm. Drittens halten Kinder ihr Stöckerl nie über die Glut, sondern, logo, immer direkt ins Feuer, geht ja schneller, folglich schwarzer Bröselbrocken, folglich heul und schnief. Viertens wird es ihnen nach zwei Minuten fad und sie übergeben die Stöckerl an ihre Eltern, die sie dann eine halbe Stunde blöd über die Glut halten müssen und keine Hand mehr für ihr Weinglas freihaben. Während, fünftens, die Kinder andere Stöcke ins Feuer halten und dann damit herumfuchteln oder gleich aufeinander losgehen. Sechstens enthält jede Kindergruppe zuverlässig einen Pyromanen, den man eisern im Auge behalten muss, weil man sonst nachher kein Haus oder keinen Stadel mehr hat. Siebtens essen sie es dann eh nicht. Stöckerlbrotgrillen ist in Wirklichkeit eine reine Elternquälerei.

Überhaupt Grillen. Grillen ist etwas für Anfänger und Gäste. Grillen ist ein Riesenstress. Grillen macht einen fix und fertig. Grillen geht nur, wenn man eine Tonne mariniertes Fleisch hinstellt, eine Palette Würstel aller Art, einen Meter Brot, eine Riesenschüssel Erdäpfelsalat und dann darauf zeigt: selber grillen, bitte sehr. So geht es, sonst ist es nix wie eine elende Herumrennerei inklusive Selbstselchung.

Was auch zu beweisen war und nun bewiesen wurde: Ich bin keine große Gärtnerin. Ich bin überhaupt keine Gärtnerin. Ich bin für ein Leben auf Knien nicht geschaffen. Jäten … nein, Gott, bitte nicht, was auch diese Saison wieder dazu geführt hat, dass ich meine Zucchini-Setzlinge schon im Mai vor lauter Dschungel nicht mehr finden konnte. Aber wenn es gute Setzlinge sind, was ich, angesichts des Vermögens, das ich dafür bezahlt habe, hoffe, werden sie sich gegen das Unkraut schon durchsetzen.

Immerhin, die Tomaten sind unkrautfrei, da ich eine Idee der hiesigen Gartenexpertin aufgegriffen habe, und meine Tomaten zwar nicht in Zehn-Euro-Hängetöpfen gepflanzt habe, aber in Ein-Euro-Flüchtlingstaschen, in die ich am unteren Rand Löcher geschnitten und Tomatensetzlinge gesteckt habe. Oben Erde in die Tasche und an den Henkeln an die Hauswand hängen. Schaut deppert aus, funktioniert aber bisher sehr gut und ist als Krisen-Gärtnerei-Methode auch für Menschen ohne Balkon geeignet: Der Horwath und ich stellen uns schon Hunderte von Hängegärtnereien an Leinen zwischen den Häusern vor, so, wie die Italiener ihre Wäsche aufhängen. Womit diese Kolumne endlich einmal brauchbare Lebensberatung enthält; bitte, gerne.


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