Neu im Kino

Millenniums letzter Teil: „Vergebung“

Lexikon | Maya Mckechneay | aus FALTER 23/10 vom 09.06.2010

Die Theorie, dass Fernsehserien die neuen Romane sind, ist eine schöne Theorie. Hier wie dort lebt man gerne eine Weile in parallelen Welten. Umso besser, wenn die Fernsehbilder auch eine kinematografische Qualität besitzen, wie neulich bei Dominik Grafs famosem Mafia-Mehrteiler „Im Angesicht des Verbrechens“. Dabei hat es der nicht einmal auf die Leinwand geschafft.

Anders ist das beim Dreiteiler nach der Vorlage von Stieg Larssons Krimi-Bestsellern. „Millennium“ ist ein aufwändig produzierter Verschwörungsthriller um die Ränkespiele eines russischen Spions im heimeligen Sozialstaat Schweden. Die erwachsenen Kinder des Spions, eine Tochter (Noomi Rapace) und deren Halbbruder (Mikael Spreitz) verkörpern das dualistische Prinzip: sie ein schwarzhaariger Goth-Punk; er ein weißblonder Hüne, dessen Darsteller es eindeutig an Charisma fehlt, um seinem Vorbild Rutger Hauer auch nur nahezukommen.

Das Punkmädchen wird in einem episch-verworrenen Plot von Halbbruder und Vater und schließlich auch vom Staat selbst gejagt. Im aktuellen dritten Teil – nach „Verblendung“ und „Verdammnis“ trägt er den Titel „Vergebung“ – ist der große Showdown bereits vorüber und es wird äußerst dialogreich aufgearbeitet und entwirrt.

Schön an „Millennium“ ist, dass hier auch mal Oberärzte mit Fahrrädern unterwegs sind. Skandinavisches Laissez-faire, ein sympathischeres Schweden-Stereotyp als die weißen IKEA-Landhausküchen und H&M-Sackerln, die darüber hinaus demonstrativ die Hintergründe bevölkern. Da erinnert man sich gern an das heimische Äquivalent zur „Millennium“-Saga: Die Verfilmungen der Haas’schen Brenner-Krimis haben den österreichischen Lokalkolorit jedenfalls mit weit mehr Witz und Hirn ausgespielt als dieser fad inszenierte, schwedische Bombast.

Weiterhin in den Kinos (OmU im Top)


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