eine Farbe zwischen heiler Welt und lauter Opposition

Steiermark | Herwig G. Höller | aus FALTER 23/10 vom 09.06.2010

Das Kunsthaus mürzzuschlag setzt auf Grün

Jetzt fehlen nur noch Blau und Orange, dann ist das parteipolitische Spektrum durch. „Farbenausstellungen" in der Steiermark haben nichts mit politischer Affirmation zu tun. Im Gegenteil: Es fällt auf, dass stets regional unpopuläre „Parteifarben" thematisiert werden. „Die Farbe Schwarz" war 1999 ein aufwendiges Vorzeigeprojekt des roten Kulturlandesrats Peter Schachner-Blazizek gewesen, im selben Jahr zeigte das Feuerwehrmuseum in Groß St. Florian „Rot in der russischen Kunst" – der Gegend wird nur wenig Affinität zur Sozialdemokratie oder zum Kommunismus nachgesagt. Diese Serie geht nun mit einer „Grün"-Schau weiter. Und das just in einer Region, die kürzlich ein Vertreter der Ökopartei als „Schwächegebiet" bezeichnet hatte.

Mit schnöder Parteipolitik hat „It’s not easy being green", so der Titel der Gruppenausstellung im Kunsthaus Mürzzuschlag, freilich nichts zu tun. Auch wenn sich Künstler, die die Kuratoren Gudrun Wallenböck und Patrick Ebensperger auswählten, natürlich mit Politik beschäftigen. Clemens Krauss verweist in einer Videoarbeit etwa auf die Funktion der Kleiderfarbe. 2009 hatte die iranische Opposition Grün, die Farbe des Islam, als Symbol ihrer Proteste verwendet. Aber es geht auch harmloser. Die Brüder Clemens und Constantin Luser lassen ein kleines, grünes Biotop mit Bonsaibaum um seine Achse rotieren und ermöglichen derart ein symmetrisches Baumwachstum, das Constantin in einer Mind-Mapping-Zeichnung kommentieren wird. Und die Japanerin midori mitamura zeigt gar eine Kleingartenidylle, in der Kinder in einer heilen Welt spielen. Nur: Letztere, so weiß der Betrachter, gibt es schon lange nicht mehr.

Kunsthaus Mürzzuschlag, Eröffnung 10. 6., 19.30. Bis 29. 8.


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