Kommentar

Mona S. braucht ihr Leben zurück – nicht ihre Zelle

Justiz

Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 23/10 vom 09.06.2010

Mona S. kann diesen Staat nicht verstehen. Sie verstand ihn damals nicht, als sie vor bald drei Jahren an der Seite ihres Freundes Mohamed M. wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation festgenommen wurde. Und sie versteht ihn heute nicht, da sie nach eineinhalb Jahren in Freiheit wieder ins Gefängnis muss. Bloß diesmal hat sie recht.

Im Jahr 2007 steckte unter dem Schleier noch ein zorniges Mädchen, das reuelos Al-Kaida-Botschaften übersetzte und Selbstverteidigung mit Terror verwechselte.

In einem spektakulären Prozess wurden sie und M. wegen Unterstützung der Al-Kaida verurteilt. Er erhielt vier Jahre, sie 22 Monate. Das harte Urteil gegen die Kinderzimmerdschihadisten, das Nachahmer abschrecken sollte, war richtig. Die entscheidende Frage, ob die beiden im Gefängnis resozialisiert oder zu Märtyrern würden, blieb offen.

Mona S. saß ab dem Tag ihrer Festnahme knapp 13 Monate in Untersuchungshaft, also mehr als die Hälfte ihrer Strafe. Ehe der Prozess vor eineinhalb Jahren wegen Verfahrensfehlern noch einmal aufgerollt wurde – das ursprüngliche Urteil wurde schließlich bestätigt –, kam sie frei.

Seit ihrer Entlassung hat sich das Leben der heute 23-Jährigen verändert. Sie studiert Arabistik und überlegt, Kindergärtnerin zu werden. Ihre Beziehung mit M. ist beendet. Auch ihre Glaubensgrundsätze scheint sie überdacht zu haben. So hält Mona S. etwa das Tragen eines Schleiers nicht mehr für die Pflicht jeder Muslima.

Die Justiz hätte gut daran getan, die restlichen neun Monate Haft auf Bewährung auszusetzen. Denn ein Staat hat nicht nur das Recht zu strafen, sondern auch die Pflicht zu resozialisieren.


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