Gelesen

Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 23/10 vom 09.06.2010

Mussolini lebt

Der Faschismus wurde in Italien erfunden, wird er dort auch seine Renaissance erleben? Der Schweizer Historiker Aram Mattioli beschreibt, wie die italienischen Machthaber den Weg dafür bereiten. Seit Jahren finde eine Umwertung der faschistischen Ära statt. Gab es früher den öffentlichen Konsens, Mussolinis Politik hätte zur Ermordung einer Million Menschen geführt, herrsche in Italien heute eine „revisionistische Normalität“ vor. Im Programm von Berlusconis Sendern werde zunehmend die Meinung laut, Mussolini sei vor allem ein tüchtiger Staatenlenker gewesen. Kritik am duce wird als verkopft und anti-italienisch dargestellt.

Wolfgang Zwander

Aram Mattioli: Viva Mussolini! Schöningh, 204 S., € 20,50

Narzisstischer Nazi

Historisch Neues wissen Peter Gathmann und Martina Paul mit ihrer Biografie „Narziss Goebbels“ kaum zu berichten. Neu ist allerdings ihr psychohistorischer und tiefenpsychologischer Ansatz. Schon Kronprinz Rudolf und Kaiserin Elisabeth hat Gathmann, praktizierender Psychoanalytiker und Professor der psychiatrischen Universitätsklinik Wien, posthum auf seine Couch gebeten – zusammen mit Autorin und Lektorin Paul hat er jetzt selbiges mit Hitlers berühmt-berüchtigtem Propagandaminister Joseph Goebbels versucht. Dessen Narzissmus, so die Hauptthese, sei auf eine schwierige Kindheit, geprägt vom unterdrückenden Vater und der Behinderung durch einen Klumpfuß, sowie auf die Enttäuschungen des Jugendlichen- und frühen Erwachsenenalters zurückzuführen.

Michael Weiss

Peter Gathmann, Martina Paul: Narziss Goebbels. Böhlau, 320 S., € 24,90


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige